Gianella – Orbetello – Ansedonia – BI 16: Ciclovia Tirrenia – Tarquinia – Vetralla – Capranica – Bracciano – Roma

Am Zeltplatz sei noch ein anderer ReiseRadler aus Deutschland, verrät mir der Campingplatzbesitzer und führt mich zu seinem Zelt. Am nächsten Morgen gibts dann ein längeres Gespräch beim Morgen-Cappuccino in der Bar, bis der feststellt: „Schon wieder so spät geworden zum Losfahren, “ hat er doch noch ein langes berigiges Tagesprogramm bis zum Bracciano-See eingeplant. Dann will er nicht nur nach Rom, sondern weiter bis ganz runter nach Sizilien…ob ich mitkommen möchte. Ja, wollen mögen tät ich schon und hatte das auch schon mal angedacht, allein mir fehlt die Zeit, ich muss wieder heim! Mein Kärtchen lasse ich ihm da…

Die bergige Halbinsel lädt zum Erforschen ein, ich muss mich hier und heute auf ein paar Morgenimpressionen um den kleinen Hafen herum beschränken:

Über die südlichste Landzunge, ein parkähnliches Naturschutzgebiet mit ausgewiesenen Wegen, will ich aufs Festland zurückfahren, mache aber noch einen kurzen lohnenden Abstecher nach Orbetello auf der mittleren Landzunge.

 Typisch italienischer Sonntagvormittagsbetieb: Männer bei Schwatzen auf den Plätzen, Familien mit herumtoben den Kindern, Pärchen an fotogenen Stellen, Frühschoppen …

Mein ausgetüfftelter Weg über den südlichsten Landstreifen komplett ohne Autoverkehr und nur wenige 100 m schmal: 

Auf der einen Seite Wasservogelbeobachtungstationen in der Lagune,

Wildnis,

auf der anderen Seite Badestrand, in der Mitte ein mit dem Rad befahrbaren Weg durch den duftenden Nadelwald, wäre auch ein wunderbarer Ort für einen schönen Urlaub. Im Dorf Feniglia gibt es einen Campingplatz und Restaurants. Am anderen Ende ist ein großer Radverleih mit viel Betrieb an diesem Bilderbuchsonntag.

Ansedonia ist mein nächster Ort und ich schiebe steil den Berg hinauf, denn oben warten die ausgegrabenen Ruinen der alten Stadt Cosa auf Besucher, die auch recht zahlreich und fachkundig da sind. 

Auf kleinen Sträßchen gelange ich zum BI 16, dem italienischen Radwanderweg Ciclovia Tirrenia. Wieder sind mehrere Kilometer gestrichelte Stecke verzeichnet, aber mir bleibt sonst keine Alternative zur (verbotenen) Autobahn ohne weitere Umwege. Kontrastreiche Blicke – Fruchtbarkeit und Halbwüste:

Mal sehen was kommt…Nee, wird nicht besser als erwartet: Eine Erdpiste, die sich gewaschen hat, mit viel hoperigem Rauf – und Runter, 

und hoppla hooohhh, mein Rad und ich sind auch dran: Ab durch die Mitte vom Flussbett, das nass den Weg kreuzt! Und wieder rauf … Aber egal, der Himmel ist blau und die Luft lau, links drüben die „Piana del Diavola“ und am Ende doch wieder rollfreundlicher Asphalt unter den Reifen.

Im Dunkeln erreiche ich Tarquinia. Eine riesige Obst- und Gemüsehalle hat auf und ich suche mir Weintrauben, Birnen, Orangen, Paprika etc. zusammen.

 Der Ladenbesitzer guckt kurz wiegt nichts und will nur 1 Euro. Ein paar junge Burschen versuchen ein Gespräch mit mir anzufangen, aber die Verständigung ist echt schwierig, ist das Englisch, was sie probieren? Wie Italiener schauen sie auch nicht aus. Schließlich suchen sie in ihren Taschen einen Euro zusammen, um mir meinen Einkauf zu spendieren, bevor sie in ihr uraltes Auto steigen.

In der Altstadt ist noch viel los! 

Wein und einen kleinen Teller mit Oliven, Schinken, Käse, Brot, Tomaten … Versucherla würde der Franke sagen – gibt’s am erleuchteten Brunnen, wie meistens mit Trinkwasserzapfsäule dabei.

Abendleuchten zum Abschied:

Am nächsten Tag fahre ich beim ersten Tageslicht weiter, denn Rom ruft! Immer bergauf zum Warmwerden geht das Sträßchen, nur ganze zwei Grad plus zeigt mein Thermometer nach sternklarer Nacht! 

In Mamas Bar in Vetralla gibt’s Tageszeitungen, regen Publikumsverkehr und einen schnellen Espresso für die Einheimischen, aber bei mir wird ein längerer Cappuccino draus, denn es ist Lucias Geburtstag und ihr erster Studientag in Regensburg – da muss ich doch unbedingt meine allerbesten Wünsche loswerden und wenigstens ein virtuelles Schokohörnchen hinschicken, bevor ich einen Blick in diese und jene Kirche, in die Abgründe der steilen stufigen Gassen werfe – und sowieso und natürlich am liebsten auch noch in alle Ecken und Winkel!

Bracciano, über dem gleichnamigen See gelegen, ca. 40 km vor Rom überrascht mich mit einer großen Burg  

und auch Maler haben den Blick von Halbhoch auf die pittoresken Gassen entdeckt:

 Ein Stück Umweg spendiere ich noch für eine Uferfahrt, dann geht’s geradewegs auf der SP493 nach Rom hinein und hinunter an den Tiber!

Ich bin da!

 Ein paar flache Treppen, ein Stück Tiberradweg und Lotsenlassen mitten durch den berühmten Borghese-Park zum Quartier in der Via Collina. „Oh, Sie sind mit dem Rad da. Dann gebe ich Ihnen ein Zimmer im Erdgeschoss…“

Schnell alles, einschließlich des Rades, im altertümlichen geräumigen Zimmer abgestellt und ein erster Nachtstreifzug zum Trevibrunnen und drumherum…als Auftakt für weitere wundervolle Tage zum Erkunden und Staunen. Einen Tag bekomme ich geschenkt, weil der FlixBus mich, zunächst sehr ungewollt, einfach verschiebt, wegen des fehlenden Platzes für die Fahrradmitnahme bei der ursprünglichen Buchung. 

Die nächste Tour durch die Toskana würde ich weniger geradlinig machen: Zickzack nach fast überall in dieser wunderschönen Natur- und Kulturlandschaft, zu all den Landstädten und -städtchen und dabei all die kleinen Bergsträßchen probieren …, unbedingt auch mal im Frühjahr, denn da ist es länger hell und alles wieder neu und anders.

Riotorto – Follonica – Grosseto – Magliano – Albinia – Giannella

Nur schöne Wege heute! Zunächst meist am Meer entlang und mit Meerblick. Immer noch recht viel Badebetrieb um diese Jahreszeit in Castiglione Della Pescaia, vor Mare de Grosseto und Pause hier mit bestem Cappuccino für 1.30 € (Normalpreis – oder weniger – hier entlang der schönen Küste mit vorwiegend einheimischen Publikum) direkt am Strand. Italienisches Stimmengewirr und alle offensichtlich bester Laune. 

Manche Badeorte haben auch schon „zu“ und geschlossene Campingplätze, da muss man ein wenig gucken, dass man noch was findet.

Ich fahre auf dem Ciclovia Tirrenica BI 16. Wunderschön geht es durch die endlosen und würzig duftenden Pinienwälder der Maremma. Allerdings davor, das Stück hinter Follonica, hatte es in sich : In Puntone di Scarlino fängt ein Weg an, ca. 10 km im Dreiviertelskreis, immer schön unter Bäumen und oft Blick auf das azurblaue Meer, immer auf unbefestigtem breiten Wanderwegen rauf und runter, steinig, manchmal sandig, landschaftlich sehr schön, eine tolle MTB-Piste, immer runter und wieder rauf mit Schwung. Die MTB-Fahrer sind auch da an diesem schönen Oktobersamstag und brettern die Wege nur so ab und auf… Ufff, steil, Schiebestücke für vollbepackte Reiseräder, dafür kommt dann am Ende ein idyllisches Nebensträßchen und ein Flitzestück in schönster Toskana-Landschaft.

Breit angelegt ist der Ciclovia Tirrenica BI 16 um Grosseto herum, fast wie ein Radschnellweg, den auch die Rennradfahrer gerne benutzten. Ein Brunnen ist auch da, prima. 

 Hinter Grosseto dann kurvenreiches Bergklettern, immer weiter rauf windet sich das Sträßchen durch die typische Toscana-Maremma-Landschaft. Hie und da Schafe, Pinien, Zypressen und Olivenbäume auf weiten offenen Flächen sowieso und kaum ein Auto. Da lässt sich’s gut fahren! Montiano hoch oben,

 dann bisschen herunter und wieder rauf nach Magliano in Toscana, noch vollständig vom Mauerring aus dem 14./15. Jh. umgeben. 

Samstagsnachmittagsbetrieb und auch hier bester Cappuccino, Gebäck mit Schockoklecks drin und Pizza (ein trockener Fladen – nicht mit der unsrigen zu vergleichen – mit etwas Peccorino drauf, sehr gut!).

Dann hinab, ans Meer zurück,

zur ehemaligen Insel Monte Argentario, heutzutage mit drei Dämmen mit dem Festland verbunden, zum Zeltplatz. Blutroter Sonnenuntergang (den fotografiere ich aber nicht jedesmal).

Knapp 150 km zeigt das Schild nahe des Campingplatzes nach Rom an, aber das ist über die E 80, und die geht natürlich nicht ohne Auto, auch wenn es die ehemalige „Via Aurelia“ ist, die über Hunderte von Kilometern an der Küste entlang geht. Ich konnte ihr meistens folgen, aber hier hat man sie für unmotorisierte Leute unterbrochen.

Der Ciclovia Tirrenica BI 16 ist auch grad nicht da und so ist etwas Tüffteln und die OSM-Karte in fast größter Vergrößerung nötig, um auf Trampelpfaden die E 80 zu umgehen. Aber es geht!! Noch dazu mit schöner Flussfahrt und erstaunlicher Streckenführung.


Ein Abstecher ins bergige Landesinnere (über ‚Piana del Diavola“ – bin gespannt!) ist auch dazu nötig – ein Stück Ciclovia Tirrenica BI 16 kommt wieder, aber durchgehend bis Rom ist die Radroute (die nur auf der OSM-Karte existiert – Schilder fehlen) leider nicht. Die Straßen über Tarquinia und Civitaveccia sollten aber gut fahrbar sein. Vielleicht tauchen ja auch örtliche Radrouten-Schilder wieder auf. Übermorgen dann in Rom …

Marina di Carrara – Viareggio – Pisa – Livorno – Cecina – Piombino – Riotorto

Weiter am Meer entlang, über lange Strecken mit Seeblick. Pause in Marina di Pietrasanta, bewacht vom Hl. Antonio. Auch hier wird nicht mit Marmor gespart. Auch für Gehsteigkanten und Bänke kommt er zum Einsatz – edel, aber kalt.

Schule mal woanders
Natürlich sind die Straßen hier auch oft zugebaut, aber meist mit schönen Villen. Betonburgen habe ich hier, über Hunderte von Kilometern am Mars Ligurio und weiter südlich, am Mare Tirreno keine gesehen. 

 Pisa liegt am Weg, da waren wir 2004 schon mal. Kein Bild vom schiefen Turm … dafür vom Stadttor,

vom Innenstadttreiben

und vom Marmorkirchlein Santa Maria Della Spinna, das drüben am anderen Arno-Ufer klebt.

Der Arno kommt bekanntlich von Florenz und fließt natürlich ins Meer, wo ich wieder hin will, also immer schön an ihm entlang, vorbei an gefühlten 100.000 Yachtclubs samt Fischrestaurants und Bars bis Marina di Pisa.

Schöne Ecke hier, wo der Arno sich mit dem Mare Ligure einlässt. Espresso-Pause in der Hafenbar, wo auch eine Reliefkarte hängt, auf der sich die Steilküste hinter Livorno schon mal mit dem Finger abfahren lässt: Immer schön rauf und runter erfühlen die Fingerkuppen das Streckenprofil. Und auch die ganze Toscana, wo ich mindestens 10x soviel Zeit bräuchte … die nächste Reise hierher wird im Zickzack gehen, bin einfach begeistert und Kunst und Kultur in der hügeligen Landschaft, die Nah- und Weitblick damit vereint – da darf man zum vollen Genuss keine Steckenpläne machen – mäandieren ist angesagt, verweilen, genießen – und dann wieder die nächsten Hügel hinaufpowern und hinuntersausen …

Aber erstmal hier weiter, nach Livorno rein ist leider alternativlos viel Verkehr, vor allem mit großen LKW’s, befinden sich hier doch die die umfangsteichsten Hafenanlagen der Toskana. Der Marmor will ja auch in alle Welt verschickt sein: Dicke Autostraßen am Meer statt Radwege. Trickreiche Umfahrung diesmal nicht ausgerüstet, aber möglich mit den vorhandenen Wegen.

„Venezia Nuova“, das Viertel in Livorno in Hafennähe, mit seinen vielen Kanälen und Brückchen, wurde im 17. Jh. einst von den Medici angelegt. Immer und überall Zeugnisse in den Küsten- Flussstädten aus den Zeiten, als Wasserwege viel praktikabler waren als Landwege. Die Autos stören in den engen Gassen und lärmen in den breiten Einkaufsstraßen, so dass es mir hier nicht so recht gefällt und ich froh bin, bald wieder auf kleineren Sträßchen in Küstennähe fahren zu können.

Hinter Livorno weicht der Sandstrand der Steilküste und ein phantastisch schöner Campingplatz hoch oben mit Aussichtsterrasse bietet sich an. Stellplätze mit phantastischem Weitblick in den Abendhimmel nach Westen samt Tisch und Stuhl sind hier zu haben. Die Leute sitzen abends beim Wein unter Lichterketten, schöner als im schönsten Hotel.

Seltsam anmutend haushohe Gesteinsbrocken liegen am Meer:

Weiter entlang geht die Fahrt an der Steilküste mit viel rauf und runter, aber gut fahrbar. Parkplätze entlang der Straße und Treppen hinunter zu den Badeplätzen am Meer. Viele Badeorte sowieso.

Cappuccino-Pause – und gleich taucht noch ein halbes Dutzend Radrennfahrer auf!

Bald wird’s aber wieder flacher und bei Cecina kommen dann diese wunderbaren Pinienwälder vor der Küste. Fast 10 km hat man das Vergnügen da durchzufahren, auch über dichte Nadeldecken. Mmmhhmmm, das riecht so richtig gut, lauer Sommerwind weht dazu, schön!

Bei uns unbekannte Schilder warnen den Radfahrer:


Blick nach Osten ins Hinterland und zu den Bergen rüber

und Mineralwasser zum Selbstzapfen im nächsten Ort:

Piombino, auch da waren wir 2004, um mit unserem Tandem und zwei anderen Rädern zur Insel Elba einzuschiffen. Diesmal war ich in der Altstadt und drumherum.

Die Ringe müssten ehemals für die Pferde zum Anbinden gedacht sein, seltsam nur, dass sich oben im 1. Stock auch welche befinden…??

Die Insel Elba im Dunst, grad nur bei Gegenlicht zu fotografieren.

Bei Riotorto, kurz vor Follonica, geht die Sonne schon wieder unter und Zeit ist’s für den Campingplatz. Unter Olivenbäumen auf dem Land auf einem Bauernhof, wie es hier viele zum Campieren gibt.

Mantua – Sabbinata – Parma – Passo delle Cisa – Pontremoli – Sarzana – Marina di Carrara

Mit den markierten Radrouten ist das so eine Sache. Auf der OSM-Katte sind viele drauf. Ob sie dann markiert und fahrbar sind, ist eine andere. Und die Routenwahl gibt auch Rätsel auf.

In Mantua hat man extra quasi in den See einen schönen Weg gebaut und fährt da ausgeschildert abseits vom Verkehr in Tuchfühlung mit den Seerosen.

Der Weitergeleiteten nach Sabbinata, gab ein paar Rätsel auf, dann waren die Schilder wieder da. Idyllisch ging’s am Kanal entlang:

 und direkt ins historische Zentrum. Der große Platz war mittags um 13 Uhr fast leer und so ruhig, dass man sich wundert, dass die Denkmäler geöffnet haben und auch ein Espresso zu haben ist.  Nur paar einzelne Leute verloren sich in dem Weltkulturerbeort. Was für ein Kontrast zum Touristenrummel! 

Die Altstadt ist vollkommen mit einer riesigen dicken roten Festungsmauer umgeben, so dass von außen nichts davon zu ahnen ist.

Nach Parma hin gab’s dann keine Radrouten mehr, nur untaugliche Wege in den Orten. Wer eine zündende Idee hat, wie die nutzbare Breite dieses Radweges auf einen Schlag zu verdreifachen wäre, möge bitte die zuständige Behörde veranlassen das zu tun. Ungefähr 10x auf 1,5 km hätte man die Chance hier:   

Alternativlos starker Verkehr bis Parma, auch wegen einer gesperrten Po-Brücke. Die verbleibende war mit den Flussauen über einen km lang, beeindruckend breit der Fluss.

In Parma dann, wie fast überall, ein Auto gesperrtes historisches Zentrum. Ein paar Eindrücke:   

Das Baptisterium neben dem Dom:

Aus der Stadt heraus dann wieder eine gute Radroute ins Beganzatal, das mich die nächsten Stunden begleitet. Man braucht zwar die OSM-Karte zum Finden, hat dann aber traumhaft schöne kleine Straßen und Sträßchen:

 Aber auch das hat mal ein Ende: Da wo es weitergehen soll, ist plötzlich gesperrter Privatgrund und man muss wieder zwischen vielen Autos fahren, bevor mich wieder eine andere kleine Straße aufnimmt. Die markierte Radroute wäre aber auf der anderen Flussseite auf einer breiteren Straße, auch beliebt bei Motorradfahrern, wie sich später herausstellt. Ich treffe keinen einzigen hier und schöner kann’s drüben auch kaum sein. Die westlichen Flusseite ist eine gute Wahl, stetig geht’s rauf, mit einstelligen Stundenkilometerzahlen meistens nur, aber gut zu fahren und ziemlich schnell gewinnt man Höhenmeter um Höhenmeter. Die Apuanischen Alpen! Mein Wasser ist alle, einer der sonst zahlreichen Brunnen nicht in Sicht, aber ein Laden. Wasser hat sie, Brot auch, aber bei Espresso schüttelt sie zunächst den Kopf, verschwindet dann aber kurz und serviert mir bei den üblichen Fragen nach dem Woher und Wohin einen Privat-Espresso 😄

Das Bergsträßchen ist wunderschön, die Gegend ebenso:

Dann kommt doch wieder ein Brunnen, prima hier die Wasserversorgung, alles bestes Trinkwasser. Oft sieht man auch kleine Kinder einfach den Mund drunterhalten und trinken. 

Auf 1040 hm ist man schließlich auf dem Passo delle Cisa und noch ein paar Meter höher eine von außen unscheinbare Kapelle, innen aber so schön und besonders, wie selten:

Der  Via Francigena, ein langer Wanderweg, der in den 1990er Jahren analog zum Boom des „Jakobsweges“ wieder initialisiert wurde, führt hier vorbei und immer wieder sehe ich auf meinem Weg ans Meer Schilder und Markierungen dazu. Wäre auch mal schön, bei der Masse an Sehenswürdigkeiten ist das Rad eigentlich schon wieder zu schnell. Ich mache Abstecher und Rundtouren in den Orten, schiebe dort durch die engen Gassen und über breite Plätze. Hoffentlich will ich in Rom dann auch noch was sehen …

Pontremoli:

Markt ist auch gerade, zu Käse und Salami bekomme ich noch ein Doppelbrötchen geschenkt.

Wieder ein Brunnen in Aulla:

Auch in Sarzana muss ein bisschen Herumgucken sein:

Die berühmten Marmorbrüche von Carrara:

Und schließlich Marina di Carrara, wo die Marmorblöcke nur so am Strand rumliegen. Auch Alltagsgegenstände, wie Bänke und sogar Gehsteigkanten findet man hier aus Marmor.

Torbole – Mantua

Gardesana Orientalie, die Hauptverkehrsstraße an der Ostseite des Sees lässt sich doch recht gut mit dem Rad fahren, trotz des Autoverkehrs. Außerdem sind zahllose Radrennfahrer unterwegs und die Autofahrer offenbar drauf eingestellt. Zeitweise gibt es ausgewiesene Radwege direkt am Ufer, schön, ruhig, verkehrsfrei, die man aber mit den Fußgängern teilen muss und ab und zu ist Schiebegebot. Die Rennradfahrer bleiben oben auf der Straße, ich probiere es mit einer Mischung. Allzu eilig sollte man es eh nicht haben, da es so viel zu sehen gibt und das Vorbeirasen schade wäre. 

Tourismus hin oder her, es ist einfach schön hier an diesem wunderbaren Oktoberwochenende. Frühstück am See in Torbole mit Langblick, wie man ihn erst am Ende des Sees wieder hat.

Die Gassen von Mascesine, schon urig eng.

 Und überall zinnengekrönte Stadtmauern, schmale Hafenbecken mir ein paar einzelnen Schiffen drin. Hier muss immer geschoben werden, macht aber nix. Seeblick fast die ganze Zeit – und Zeit nehmen, wie gesagt, und immer mal umschauen.

Eine Mauer hat man weggerissen (übernächstes Bild), um im 17.Jh für Zitronen einen Winterschutz zu haben, heute immer noch erhalten.

Promenierende Leute ohne Ende – und am Ende des Tages in Bardolino kein Glück mit einem freien Campingplatz für mein Zelt. Und sowas in der Nachsaison. Also erst mal unter die Leute setzen für Wein und was Essen. Nach weiteren weinseeligen Versuchen der Zeltplatzsuche weißt mir einer in Lazise einen unbelegten „MobilHome-Platz“ für mein Zelt zu, das ich auf der hölzernen Terrasse aufschlage, der steingrasige Autoabstellplatz ist obendrein uneben. Das Außenzelt brauche ich nicht, ginge such schlecht ohne Häringe, egal!

Immer breiter wird der See und auch die Gassen in den Orten passen sich an (so meine Theorie, praxisgeprüft). Von Malcesine bis Garda geht’s innnendrin pittoresk eng zu, Bardolino ist schon weiter und Lazise hat richtig große Plätze und kaum eine schmale Gasse. Strände ohne Ende dann bis zum Ende des Sees in Perschiera, vollkommen von Kanälen umschlossen. 

Alte Pfahlbauten dort zählen zum UNESCO-Weltkulurerbe, Gondoliere fahren um die mächtigste Befestigungsanlage des ganzen Gadasees herum (von den Venezianern im 15./16.Jh. erbaut, ebenfalls Weltkulturerbe)

 und der Mincio fließt aus ihm heraus, ein breiter Kanal, an dem ein vielbefahrener schöner Radweg die Dörfer flußabwärts erschließt, aber wie so oft gilt: Automatisch durch kommt man nicht, einen Abstecher braucht’s, um sie staundend zu genießen. Da wäre z.B. Valleggio sul Mincio mit dem urigen Ortteil Borghetto di Valeggio mit einem einzigartigen mittelalterlichen Mühlenviertel – die Wassermühlen sind teilweise noch in Betrieb, eine Seltenheit. Die Häuser mit den Mühlengängen geben tolle Fotomotive ab. 

Weiter dann bis Mantua, dessen Altstadt auf einer Halbinsel des Mincio, hier breit wie ein See, liegt. Auch hier Kultur ohne Ende, bestes Eis aus der Gelateria, jede Sorte mit einem silbernen Deckel behütet, viele Radfahrer und ein paar Stimmungsfotos:

Rovereto – Torbole

Anfahrt per Zug und Flix-Bus (ab München) problemlos, das Fahrrad, das einzige übrigens im höchstens zu 30% besetzen Bus, wurde einfach in den Gepäckraum gelegt. Zwischenstopp nur in Innsbruck, Ankunft fast pünktlich, also äußerst unspektakulär und gut so.

Schnee auf den Bergen um Innsbruck rum,

Palmen, blühender Oleander, Olivenbäume und sonstwas typisches hier am Ziel. Kleine Gassen, große Plätze, alte Gemäuer – was hält hier so typisch ist.

Nahezu verkehrsfreie Radwege von Rovereto über Mori nach Torbole, immer nach Westen und fast immer an Flüssen entlang. Die meisten Radfahrer hier sind Rennradfahrer, auch ganze Familien mit Kindern und Leute jeglichen Alters sowieso. Reiseradler sind grad keine dabei. Samstagsnachmittagsausfahrten!

Lang versteckt sich der Gardasee hinter all den Bergen. Man gelangt schließlich nach Nabu, einem Wein- und Bergdörfchen mit vielen schmalen Gassen und wenig Touristen. Der Dorfladen verkauft besten vollfetten italienischen „Bröselkäse“ zu einem Spottpreis. Weiter vorne ein erster wunderbarer Blick auf den See – und der Beginn der alten Römerstraße hinunter,

Radfahren nicht erlaubt ! (Ein paar E-MTB ler können es trotzdem nicht lassen, bergauf zu düsen) und auch unkomfortabel, aber es lohnt sich sehr, hier runterzuschieben, ist bestimmt der schönste Abstieg nach Torbole!

Ein paar Impressionen und nicht viele Worte.

Vom Gardasee nach Rom

Eine Kurztour nur, bin aber trotzdem gespannt! Morgen früh um 5.55 Uhr fährt der Zug nach München und von dort der FlixBus samt Bike nach Rovereto. Den Gardasee entlang, dann über Parma zum Meer rüber … Durch die Toskana dann … Ankunft in Rom am 16.10. und 3 Tage dort. Zurück per Nachtflix am 19.10. um 21.30 Uhr und am 20.10. wieder daheim.

Euro-Velo Stücke sind auch dabei. Auch in Italien sind lange Radreiserouten noch im Aufbau, werde es mir genau anschauen und berichten!

Das Finale

…der Lauf, der Halbmarathon!

Beste Stimmung vor dem Start:

Foto: Otmar Wiesenegger – Die Erlanger Teilnehmer: Jonas Eberlein, Fredi Schmidt, Manuel schmidt, Gertrud Härer, Peter Steger , zusammen mit den Lauffreunden aus Wladimir

Tolle Stimmung, viele Leute, stark besetzte Läufe. Schon um 11.00 starteten Hunderte von Schülern auf der 2 km Runde um das Goldene Tor und liegen sich danach stolz mit Urkunde und Medaille fotografieren.

Auch bei unserem Start Punkt 12 Uhr mittags legte ein bestens gelauntes großes Läufervolk in Richtung Goldenes Tor enthusiastisch los. War das ein Hallo und Geschrei!

Die Strecke hatte es aber auch in sich: Eben war es nie, von Anfang an ging’s immer rauf und runter, kilometerlangem Gefälle folgte ein ebensolcher Aufstieg. Auf der Pendelstrecke sah man sich immer wieder: Jonas jonglierte, Ferdi winkte lachend, Peter rief: „Lass dir Zeit!“ Othmar und sein russischer Fotografenkollege dokumentierten das Ganze mit ihrer großen schweren Ausrüstung und vergaßen auch das Anfeuern nicht. Dreimal die lange Steigung rauf und runter, das merke ich schon. Olga, meine einheimische Konkurrentin in der W55, lag ein kleines Stück vor mir, wurde gehen Ende immer stärker und sammelte noch eine andere schnelle Läuferin ein. Auch ich konnte die letzten Kilometer noch ein paar Plätze gut machen und lief glücklich in 1:47:07 ins Ziel.

Foto: Othmar Wiesenegger

Insgesamt waren in Wladimir fünf Teilnehmer aus Erlangen am Start: Fredi Schmidt und Jonas Eberlein, mich auf meiner langen Radanreise schon 150 km vor Moskau mit seinem Tandem samt Partnerin und vielen Radfreunden in Empfang genommen und bis Wladimir begleitet hatte, legten die 9 km entspannt, Jonas jonglierte dabei auch noch mit 3 Bällen, in 50:52 zurück.

Foto: Otmar Wiesenegger

Manuel Schmidt knackte die 2-Stundengrenze in 1:59,27., und das trotz umfangreichen Wodka-Probierens in fröhlicher Runde am Vorabend in Suzdal, wo wir uns intensiv mit Stadtdirektor Sergej Sacharow (4. v.r.) austauschten, selbst ein begeisterter Radfahrer, dessen Tagesrekord bei 300 km liegt. 2013 traff ich ihn schon einmal, damals als Stadtdirektor von Wladimir, wo er immer noch wohnt.

Foto: Otmar Wiesenegger

Ihm gelingt es bestens mit eigenen Ideen die Menschen für’s Radfahren zu begeistern, etwa indem er Radwege anlegt oder alljährlich im Sommer ein dreitägiges Fahrradfest veranstaltet. Übrigens legt er seinen Arbeitsweg von Wladimir nach Susdal hin und retour immer wieder mal gerne im Sattel zurück, immerhin insgesamt gut 60 km.

Foto: Peter Steger – Radbegeisterte Bürgermeister: Susanne Lender-Cassens und Sergej Sacharow

Unser sehr engagierter Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Erlangen Peter Steger hatte, zusammen mit der Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, in den Tagen zuvor ein enggestricktes Programm zu absolvieren, siehe

https://erlangenwladimir.wordpress.com (Beiträge 7.-13.9. 2017) und zudem drohte sich auch bei ihm eine Erkältung breit zu machen, womöglich beim Abschiedsbesuch bei John eingefangen. Mit seiner speziellen Teediät (wenig essen und jeden Tag viele viele Kannen heißen Tee hineinschütten), samt eines Zauberspruches von mir, bekam er das jedoch so gut in den Griff, dass er zwar die Nacht davor nicht schlafen konnte, aber am nächsten Tag derart gut in Form war, dass er trotz der schweren bergauf-bergab-Strecke eine neue persönliche Bestzeit in 1:52:05 hinlegte!! Er sei in der Form seines Lebens, meinte er begeistert und werde immer besser – und das trotz seines nicht mehr ganz jugendlichen Alters! „Herzlichen Glückwunsch, Peter! Weiter so, dann laufen wir demnächst gemeinsam ins Ziel“, freute ich mich mit ihm.

Foto: Otmar Wiesenegger – Peter peilt persönliche Bestzeit an, angefeuert von Fredi und Jonas

Man ehrte mich noch speziell wegen der ungewöhnlichen Anreise, nicht nur ein Interview war fällig und Olga managte energisch, das wir beide unsere AK-Preise gleich noch bekamen. Die sollte es nämlich eigentlich wegen einer Störung der Zeitauswertung nicht mehr an diesem Tag geben.

Danke Olga! Und auf ein Wiedersehen beim nächsten Winterwaldlauf in der Brucker Lache.

Foto: Otmar Wiesenegger

Ergebnisse – Halbmarathon (Teinehmer: 156 Männer/31 Frauen)
Gertrud Härer 1:47:07 – 11.Frau – 2.W55
Peter Steger 1.52:05 – 110.Mann – 4.M55
Manuel Schmidt 1:59:27 – 133.Mann – 67.MHK

Ergebnisse – 9 km
Jonas Eberlein 50:52 109. Platz
Fredi Schmidt 50:52 110. Platz

Link zur Ergebnisliste Halbmarathon