Aus Wladimir

…(und auch sonst) berichtet Peter Steger, der sich so äußerst engagiert für die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir (und all die anderen) einsetzt, in seinem Blog (zum Öffnen bitte einfach anklicken):

Peter Stegers Berichte, vom 7. – 12. 9. 2017 live aus Wladimir

So schön geschrieben und informativ! Aber ich warne: Wer das sehr lesenswerte Lesen anfängt, und immer weiter und weiter scrollt, wird so schnell nicht fertig …

Wladimir

…empfängt uns mit einem Regenbogen, wunderschön aufgespannt! Wie haben die das bloß mit dem Timing so gut hinbekommen?

Donnersalut davor, dann ein Leuchten:

Überhaupt hatte es diese letzte Etappe mit vielen Höhenmetern rauf und runter in sich, mit 138 km war es auch eine der längeren.

3255 km zeigte schließlich der Zähler am Goldenen Tor von Wladimir.

Jonas und Gertrud am Ziel

Schon da?! Ich kann’s kaum fassen…

Botschaft

Viel los die letzten Tage! So etwas hätte ich mir nicht träumen lassen! Glückliches Zusammentreffen von Radreise zum Halbmarathon nach Wladimir mit den Festivitäten 200 Jahre Fahrrad! Peter Steger, Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Erlangen stellte den Kontakt zu Jonas Eberlein her, seines Zeichens beschäftigt beim DAAD in Moskau und ein ebenso enthusiastischer Radfahrer wie ich. Der fragte vor der Radreise ganz bescheiden, ob er ein Stück mitradeln dürfe und ließ seine Kontakte spielen …

Nach der Feier am Moskauer Staatszirkus
Radfahren in Moskau

Den Empfang auf dem Mars hatte ich ja schon genossen, ebenso die Lotsendienste des Radklubs „Russisch-Deutsches-Tandem“ nach Moskau hinein, samt Feier mit Torte und Radfahrerpastete hoch über der Stadt.

Als Höhepunkt am Montag richtet Herr Dr. Med Lutz Meyer, der Reionalbeauftragte für Wladimir, aus dem Anlass 200 Jahre auf zwei Rädern und meiner Durchfahrt für die Städtepartnerschaft einen Empfang in der Deutschen Botschaft aus.

Rüdiger Freiherr von Fritsch, Deutschlands Botschafter in der Russischen Föderation, ließ es sich nicht nehmen trotz Terminknappheit die Langstreckensportlerin, die 3000 km aus Erlangen hergeradelt war, zu begrüßen. Ausgerechnet in dieser Stadt hatte er nämlich in den 70er Jahren  Germanistik und Geschichte studiert! Er fahre auch gerne Rad, ließ er wissen und habe jetzt das E-Bike zum entspannten Genussradfahren für sich entdeckt. Ich fand das prima, denn so eröffnen sich für viele ganz neue Möglichkeiten.

Mehr Fotos unter:

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=10155681364616350&id=374584881349&ref=page_internal&__tn__=-R

Per Twitter verbreitete die Pressestelle der Botschaft diese Meldung, die dann vom Russischen Generalkonsulat in München und der Moskauer Vertretung des Freistaates Bayern in alle Welt hinaus weitergezwitschert wurde ..

Der Abend im Festsaal der Deutschen Botschaft bot ein umfangreiches, sehr interessantes und buntes Programm.

Jonas Eberlein, der sich sehr in Sachen Radverkehrsförderung engagiert, berichtete über das Projekt zur Verkehrserziehung für Schüler, Gertrud Härer über ihre Radreisen nach Wladimir, die eisige von 2013 und die aktuelle, Wladimir Kumow war mit einer Präsentation der Velobewegung in Moskau da – er bringt regelmäßig Zehntausende (!) von Radfreunden zusammen, sogar bei zweistelligen Minusgraden (!!), die dann die gesperrte Innenstadt für sich haben – und Kristina Oblomowa stellte Touren auf historischen Rädern vor.

Abgerundet wurde der Abend mit weiteren guten Gesprächen beim Buffet.

Am Dienstag ging es weiter: Richard Burger, Leiter der Wissenschaftdabteilung bei der Vertretung der Europäischen Union in Moskau, lud zum Treffen ein. Gesprächsthemen waren die umgangreiche historische Fahrradsammlung eines Privatmannes, samt aufwändiger Dokumentation der Geschichte der einzelnen Exponate, die leider in seinem Garten in großen Containern und seinem Haus nicht öffentlich zugänglich ist, hochwertiges Kulturgut, für das eine Präsentation angemessen wäre und die Eurovelowege, die sich durch ganz Europa, von West nach Ost und von Nord nach Süd ziehen. Mehr als ein Dutzend gibt es im Internet, in der Natur und auch auf dem Papier fehlen besonders auf russischem Gebiet Beschilderung, Karten, Beschreibung und touristisches Infrastruktur. Fördergelder der EU könnten hier weiterhelfen und die internationale Verständigung durch den Radtourismus fördern.

In angeregtem Gespräch nahmen sich Richard Burger und seine Mitarbeiter dankenswerterweise mehr als eineinhalb Stunden Zeit für uns.

Das Konzept der Rad- und Wandertouren vom VGN interessierte ihn sehr, Jonas hatte ein Muster für ihn dabei, meine bisher erschienenen bekommt er noch und freut sich drauf. Wir bleiben in Kontakt!

Jonas und ich, waren heute wieder auf der Strecke. 110 km waren es bei Nieselregen und Nordostwind, aber trotzdem haben die Fahrt genossen. Jonas leitete uns sicher aus Moskau hinaus, nochmal mitten durch die Innenstadt. Es lässt sich gut fahren, wenn man die richtige Strecke und die richtige Zeit, die relativ verkehrsarmen Vormittagsstunden, wählt. Wir fuhren auch ruhige Wohnstraßen, die ich 2013 nicht kennengelernt hatte. So bekommt man einen ganz anderen Eindruck von der Stadt. Breite Alleen und viel Grün und Platz für die Kinder in den Wohnquartieren, schön!

Über Grenze zur Region Wladimir ging’s heute schon drüber:

(Bild folgt)

Vor Kirzhach haben wir in einem kleinen Dorf in einem Landhotel Quartier genommen, mit allem Komfort, das Doppelzimmer zu 1000 Rubel (14-15€), sehr zu empfehlen, siehe www.gostinitca-kirzhach.ru

Morgen die finale Etappe 😅…

Moskau

Wir sind da! Schnell noch ein Bild vom Sonntagabend nach fast 3000 km:

Organisator Jonas und Gertrud vor dem Berliner Bären an der Deutschen Botschaft in Moskau

Es war ein ganz wunderbares Moskau-Finale!

Auf der letzte Etappe nach Moskau an diesem allerbesten Sonntagnachmittag begleiteten uns vor Svenigorod zahlreiche Radfreunde von Moskauer Radgruppe „Russisch-Deutsches-Tandem“ um Valentin Safonov.

Valentin lotste uns auf supertollen Wegen, die nur Einheimischen bekannt sind, durch den Moskauer Straßendschungel. Das heißt, Straßen sind wir gar nicht viel gefahren, es ging mit der großen Fußgängerbrücke über die Moskva, länger und oft auf den verschiedenensten Untergründen an ihr entlang, durch Parks und Grünanlagen, bis uns schließlich hoch über der Stadt an der Universität die ganze Stadt in der Abenddämmerung zu Füßen lag.

So schön kann man in Moskau Rad fahren, wenn man es weiß!

Zur Krönung des Tages überraschte uns Anna dort mit selbstgebackener Torte und „Radfahrerpastete“ 😋🚴👏🍰🍪💕

Überraschungsbäckerin Anna
Moskaus Radroutenkenner Valentin hebt das Glas

Euch Allen, die ihr mir einen so unvergesslichen supertollen Tag und Abend bereitet habt, meinen allerherzlichsten Dank!!!
Euere Gertrud

Auf der Hängebrücke über die Moskva auf dem Weg nach Moskau, nur Eingeweihten bekannt!

Mars!

Well landed here!

Hier ist Mars, sogar mit Beschilderung (wenn auch auf russisch). Die Theorie von den „grünen Marsmännchen“ muss wohl entgültig widerlegt werden…

Äußerst nette Bewohner!
Am Samstag, den 02. September wurden wir in Tutschkovo von 7 Radfahrerinnen und Radfahrerinnen des Veloclubs „Velo-Lady Tutschkovo“ um Julia Gusakova empfangen und durch die Stadt geleitet.
Der Gast mit der solarbestückten Marslandefähre wird samt seines Gefährtes inspiziert und von den netten Marsmädchen (des Veloclubs „Velo-Lady Tutschkovo“ um Julia Gusakova) ausgiebigst ausgefragt. Was die alles wissen wollten! Aber das ist kein Wunder, denn so oft kommt auch niemand mit so einem selbstbetriebenen Gefährt von so weit her.

Doch dann wird es nochmal so richtig gefährlich: Der pechschwarze  Autoreifendrache, der Feind aller Radfahrer, entdeckt Gertrud, schnappt sie und will sie verschlingen…

Doch in allerletzter Sekunde naht Hilfe: Mutig stürzt sich Drachenbezwinger Jonas mit seinem grünen Laserstrahl auf das pechschwarze Monster und durchbohrt es an seiner empfindlichsten Stelle!!

Das muss gefeiert werden!

Der besiegte Drache kann niemanden mehr was anhaben!

Alle Marsbewohner und Besucher atmen auf, schwingen sich unbeschwert auf ihre Räder und auf geht’s auf wunderbaren Wegen um den autoreifenfreien Planeten zu erforschen. Freie Fahrt für das Fahrrad!

End of Solo in Volo

…in Volokolamsk, um 16.53 Uhr am Bahnhof: Jonas und Kristina mit dem Tandem… heute Abend zu dritt ein Landhaus mit Sauna … morgen  zu noch mehreren das Fahrradmuseum und Klosterübernachtung…  es wird zu berichten sein!

Suchspiel: Wo ist hier bloß das Fahrrad? Beobachtungsposten von der Caféterrasse vor dem Treffen
On Tour … it goes on and goes on – Foto: Kristina
Hoch über den Gleisen von Volokolamsk: Jonas trifft Gertrud – Foto: Kristina

Nach einer rassanten Dämmerungs- und Dunkelfahrt spät im Landhaus angekommen. Hier logierten früher Dichter und Künstler.

Samstagmorgen: Gleich geht’s weiter nach Tuckovo!

Und es gibt ihn doch!

Den Seitenstreifen, den breiten geteerten, den ich so lange ersehnt habe!!

Der schmale erforderte doch viel Konzentration und ging über Hunderte von Kilometern. Besonders wenn die Autos im Gegenverkehr überholten, manchmal überholten sich sogar LKW’s gegenseitig, wurde ich arg an die Seite gedrängt und es war kaum noch Platz für mich. Zu nahe kamen sie mir nie, aber unbeschwertes Fahren war das nicht.

Mit dem Überschreiten der Verwaltungsgrenze zu Moskau gibt’s jetzt einen picobello geteerten breiten Seitensteifen und ich kann mit einem Meter Abstand zu den Autos bestens dahinfahren, wunderbar! So müsste das überall sein, das wäre große Klasse!

20 km noch nach Volokolamsk 🤣😄😆…

Nebenstraßen und Wetterwechsel

Vor Velikie Luki waren schon 30 km Baustellenstrecke zu bewältigen, aber sowas gehört halt auch mal dazu. Irgendwoher muss der „feinste Asphalt“, auf dem es sich so gut flitzen lässt, ja kommen, was natürlich auch für Autos gilt …

In der Stadt war der normale Stadtverkehr eine Erholung, hier sind auffallend viele Leute zu Fuss unterwegs, ein paar Regentropfen schrecken offenbar keinen. Andauernd fahren und halten überall kleinere Busse… hoffentlich bleibt das gute Nahverkehrsangebot mit zunehmender Privatmotorisiering erhalten …!

Eine relativ gute Nebenstrecke führt in großem Bogen nach Südosten zurück auf die M9 und schenkt mir das letzte Stück Baustelle. Aber ein paar Kilometer später erneut der Hinweis auf 20 km weitere Bauarbeiten! Ufff, nicht schon wieder!! Ich weiche auf die Nebenstrecke südlich aus und freue mich über einige Kilometer geteerte ruhige Dorfstraßen. Da eine große Einmündung, eine dicke schön geteerte Nebenstaße kommt von rechts, aber das ist leider nicht mein Weg. Der geht sehr sandig und hügelig geradeaus. Den oder Baustellen? Ich probiere den Sandweg. Trocken ist es, es lässt sich leidlich fahren, da kommt ein großes dickes Holzauto und hüllt mich von oben bis unten in eine Staubwolke… eh nee, zurück! Dann doch besser Baustellen!

Wieder auf der M9 bin ich am Staunen: Männer sind am Einsammeln der Schilder, rote und weiße Baustellenabgrenzungen und anders mehr liegt am Straßenrand…🤣😃😄 Vorbei!! Alles fertig, picobello neu geteert, jetzt wird nur noch aufgeräumt und ich kann fahren, fahren, fahren…

Ein Ferienreservar am See bietet sich zum Übernachten an, eine großzügige 3-Sterne-Anlage mit allem Drum und Dran. Ja, Zelten kann ich für 300 Rubel, aber das ist nicht an diesem Strand…also runter, um die Ecke, ein Holzbohlenweg durch’s UNESCO-irgendwas, dann kommt ein Gate, sie sagt Bescheid, dass es aufgemacht wird… – das alles auf Russisch, mit sehr wenig Englisch und einer Übersetzungsapp, die das Russisch der Empfangsdame an der vornehmen Rezeption ins Englische überträgt!

Ich fahre wie beschrieben, mindestens eineinhalb Kilometer sind schon rum, die Holzbohlen überbrücken Sumpfgelände am See, ein schöner Weg! Anschließend ein Waldpfad. Stimmt denn das noch? Aber das ist das Gate, das auf einen einfachen Zeltplatz führt, keinerlei Sanitargebäude. Und kein Mensch da, alles leer…Eine lange Tafel zeigt, dass hier wohl öfter rauschende Feste gefeiert werden:

Wird schon richtig sein hier, ich baue das Zelt jetzt einfach mal auf. Später kommt tatsächlich einer und fragt, ob ich bezahlt hätte, ok also!

Ein paar Stimmunsbilder vom Abend und vom nächsten Morgen:

Abendleuchten, es glänzet der gar nicht starre See (immer mit den Bildern von 2013 im Kopf)

Morgens dann erst ein bisschen Laufen auf schönen Sandwegen, immer mit See- und Zelt-im-Blick – und noch ein paar Impressionen:

Zurück dann auf dem Holzbohlenweg: ein Gebäude! Sind hier WC und Dusche? Nein! Eine Küche, ein gemütlicher Raum mit einem urigen Holzbollerofen und – eine echt russische Großsauna mit zugehörigem Tauchbecken am See:

Und dann noch was 😀!! Ein Fön!!!! Ja echt, den brauche ich jetzt wirklich dringend! Will ich mich etwa noch schnell etwas verschönern, zurechtrichten … ??? Ihr dürft raten! Nein, jetzt nicht. Und ich will auch keine Socken trocknen, so wie Claus zu Beginn unserer Russland-Tour… Eingeweihte wissen Bescheid – es gab Heiterkeitsausbrüche!

Wozu dann? Kommt jemand drauf?

Mein Rückspiegel am Rad ist ab, infolge unvorsichtigen Abstellens und Umstürzens meines Gefährtes auf Sandboden. So einfach ließ er sich nicht wieder in die Halterung hineindrücken. Hitze hilft – und nach dem Ausdehnen der Öffnung und dreimal fest drücken sitzt er tatsächlich wieder fest da wo er hingehört und erleichtert mir das Fahren auf der M9 beträchtlich.

Flott geht’s dahin, eine Pause zur Kohlenhydrataufladung – irgendwie nicht so viel gegessen die letzten Tage – an der Raststätte und mal Birnencidre probiert, oder was das ist, mit 0,6% alc.

Weiteres Dahinfliegen! Weil es sich so schön fährt, nicht übermäßig viel Verkehr ist, bleibe ich auf der M9. Immer wieder Stände am Straßenrand. Nicht nur Bären, auch Wildschweine, kleinere Tiere und sogar einen schönen stattlichen Wolf könnte ich kaufen…nee, das ist nix für mich, ein paar Beeren aber gerne!

Ein Traum wäre noch ein breiter geteerter Seitenstreifen, das wäre super zum Radfahren, ob sich das in Zukunft machen lässt? Um etwas mehr Abstand zu den schnellen Autos halten zu können. Derjetzige ist doch recht schmal …

An einer Tankstelle bei Nikolino, 140 km vor unserem Treffpunkt am Freitagnachmittag, darf ich diesmal mein Zelt aufschlagen. Warme Gerichte gibt’s hier auch, Kaffee sowieso – Bier nicht, dafür Kwas.

Abendstimmung –

– sternenklare Nacht – 5 Grad plus am nächsten Morgen – die Sonne geht auf   …

Erste Notizen aus Russland

Sonntagmorgen und auch Sonntagmittags schläft die Welt hier. Alles ist weiterhin so ruhig, dass ich auf dem Weg zur Grenze überlege, ob diese überhaupt offen hat. Schon kilometerlang davor Laster, aber geparkt auf dem Seitenstreifen. Leute bummeln herum. Als ich um ca. 13.00 Uhr an der Grenze ankomme, stehen gerade mal drei Pkw vor mir. Ich soll vorbeifahren, sagt der letzte in der Reihe. Ja, gerne. Nur ein paar Minuten warten, und schon wird mein Pass begutachtet, Zettel rein und weiter, was sich bestimmt 10x wiederholt. Immer wenn du denkst, das war’s, geht’s weiter. Autos werden am Ende auch noch mit einem Spiegel am langen Stiel überall und besonders auch von unten inspiziert…Nach insgesamt 30 min dann für mich freie Fahrt auf feinstem Asphalt. Wunderbar flitzt das Rad auf der M9. Die „Autobahn“ ist aber nur zweispurig und jeder darf hier fahren. So viel Ruhe auf einer derart gut ausgebauten Straße habe ich aber noch nicht erlebt: Alle 10 min höchstens kommt ein Auto oder ein LKW vorbei, schneller geht das Abfertigen an der Grenze sonntags anscheinend nicht. Ich fahre und fahre einfach dahin. Bäume, Sträucher, ein paar Blumen, Vögel, kleinere Seen, ein Fluss ab und zu … Besonders abwechslungsreich ist es nicht, aber auch nicht langweilig, einfach schönes Zufahren ohne Störung.

Kaum Häuser, die Ortschaften liegen nicht an der Schnellstraße, Tankstellen dann und wann und irgendwann gegen Abend frage ich an einem kleinen Rasthof, wo ein paar LKWs parken und es auch Betten gibt, ob ich da mein Zelt aufstellen darf. Die beiden Männer wollen gerade wegfahren und nicken mit einer Handbewegung. Ja da…ok. Das war’s. Später frage ich, was sie bekommen. Nein, nichts …

Immer weiter nach Osten am Montag, immer zu. Immer so zu ist auf Dauer auch nichts, außerdem brauche ich eine russische SIM-Karte. Auf dem Weg nach Moskau ist Velikie Luki mit ca. 100.000 Einwohnern schon die größte Stadt in Schnellstraßennähe. 5 km nach Norden, ein willkommener Abstecher. Viele Leute unterwegs, Läden, Cafés – von außen unscheinbar

– innen gut:

– aber auch viele Kriegerehrenmale, Wiki schreibt:

Im Zweiten Weltkrieg kam es um Welikije Luki in den Jahren 1941 und 1942 zu heftigen Kämpfen zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee. Nachdem die Wehrmacht sich nach der Niederlage in der Schlacht um Moskau zurückziehen musste, hielt sie erbittert die Stellung am Fluss Lowat; die sowjetische Offensive Ende 1942 führte allerdings dazu, dass die deutschen Truppen, etwa 7000 Mann, in der Stadt Welikije Luki eingekesselt wurden. Die deutschen Soldaten wurden schließlich Anfang 1943 in der Schlacht von Welikije Luki fast vollständig aufgerieben, wobei die Stadt schwerste Verwüstungen erlitt.

2016 war Velikie Luki 850 Jahre alt

Auf der langen Brücke, die über den Lowat führt, erwische ich eine Gruppe Radrennfahrer:

Als ich die neu erstandene SIM-Karte teste und mich über beste Nachrichten freue, fängt es ernsthaft zu regnen an und so bleibe ich hier, wo leicht ein günstiges Zimmer zu bekommen ist. Weit ist es eh nicht mehr. Jonas will mich am Freitagnachmittag, samt Kristin auf dem Tandem, schon in Volokolamsk treffen, gerade mal 350 km von hier, wenn ich keine weiteren Abstecher mache. Dann fahren wir am Freitag noch 60 km bis Ruza und treffen auf weitere Radfreunde.

In Tuckovo und Zwenigorod werden dann noch mehr Radfreunde zu uns stoßen, bevor es am Sonntag mit einer besonderen Streckenführung nach Moskau geht. Der Montagabend ist für einen Termin bei der Deutschen Botschaft reserviert, am Mittwoch und Donnerstag beschließt das letzte Stück mit 220 km nach Wladimir diese Radreise.

Bin schon gespannt auf alle und alles und freue mich!